Un article sur Heidegger (en allemand)

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Heidegger in Frankreich
Hat der Verlag Gallimard Zensur geübt?
VON RUDOLF WALTHER

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In keinem Land hat die Philosophie Heideggers, trotz deren Verstrickung in den Nationalsozialismus mit ihren provinziell-lokalen Zügen, über lange Zeit mehr Ansehen genossen als in Frankreich. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Vor einem Jahr hat Emmanuel Faye in seinem bislang nicht übersetzten Buch Heidegger – l’introduction du nazisme dans la philosophie (« Heidegger – die Einführung des Nazismus in die Philosophie ») nachgewiesen, dass die berüchtigte Rektoratsrede Heideggers von 1933 kein Ausrutscher war, sondern ihr Fundament in wesentlichen Teilen der Philosophie des Gurus aus dem Schwarzwald besitzt.
Den forschen, nicht in allen Punkten überzeugenden Angriff Fayes mochten Frankreichs Heidegger-Anhänger nicht auf sich beruhen lassen. François Fédier, der beim Verlag Gallimard die Heidegger-Ausgabe verwaltet, organisierte einen Sammelband mit Gegenattacken auf Faye, die unter dem Titel Heidegger – Gründe statt Unvernunft bei Gallimard erscheinen sollten. Nachdem die Fahnen schon gedruckt waren, bekam Verlagschef Antoine Gallimard kalte Füße, denn insbesondere der Ton des Beitrags von Fédier hätte den Verlag wohl in juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Gallimard kündigte den Vertrag und beschloss, das Buch nicht zu drucken, obwohl Fédier seinen Beitrag nach eigenen Worten sofort « vollständig umgeschrieben » hat.
Der Ablauf der Geschichte ist typisch für die Szene in Frankreich. Dass der Philosoph dort überhaupt so bekannt wurde, verdankt er seinem 1982 verstorbenen Übersetzer Jean Beaufret, dessen politische Stellungnahmen alles andere als unumstritten sind. 1978 solidarisierte er sich mit seinem Schüler, dem Auschwitz-Leugner Robert Faurisson. Pikant ist, dass auch Fédier Schüler Beaufrets ist. Diese Fakten sind unbestritten, aber ob es hier um die Konstruktion von Sippenhaft geht oder um die tatsächliche politische Nähe von Lehrer und Schüler, ist schwer zu entscheiden.
Wie übersetzt man Gleichschaltung?
1995 jedenfalls veröffentlichte Fédier eine Sammlung Politischer Schriften Heideggers und einen engagierten Beitrag zugunsten Ernst Noltes. Beide Arbeiten stützen Fayes Verdacht, Fédier besorge das Geschäft der Negationisten. Fédiers Übersetzung des Begriffs « Gleichschaltung », den Heidegger in einem Telegramm an Hitler zustimmend verwendete, lautet « mise en harmonie ». Das Wort « mise » ist ein Allerweltswort, das « Indienstnahme » oder « Einarbeitung », aber auch « Kampfunfähigmachung » (« mise hors combat ») bedeuten kann. Fédier kappt durch seine Übersetzung von « Gleichschaltung » mit « mise en harmonie » (« Harmonisierung ») jede Verbindung zum Gewaltcharakter der von Heidegger begrüßten Ausschaltung jüdischer Professoren. Darin spiegelt sich kein « Ritual » von « Behauptungen und Widerlegungen », wie in der FAZ kürzlich zu lesen war, sondern eine Haltung. Mit einfacher Zensur jedenfalls hat die Entscheidung des Verlags Gallimard nichts zu tun.

Erscheinungsdatum 19.10.2006

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http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=992330

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